Buzet Trüffel aus Istrien

Buzet: auf Trüffelsuche in Istrien

[Gastbeitrag] Einzigartig im Geschmack, teuer und rar: Wir haben uns auf die Spuren der Trüffel begeben und sind nach Buzet in Istrien gereist. Die „Heimat der Trüffel“, wie die historische Stadt Buzet genannt wird, liegt im Herzen von Istrien. Hier wächst der Mozart der Pilze in den dichten Laubwäldern, die sich über das Landesinnere erstrecken. Im Gegensatz zu Italien und Frankreich hat Istrien erst in den 1990er-Jahren Bekanntheit als Trüffelland erlangt. Grund dafür war ein außergewöhnlicher Fund: Ein über 1,3 kg schwerer, weißer Trüffel, der bis heute das Guinnessbuch der Rekorde anführt. Intakte Natur, gutes Essen und die Aussicht auf eine erfolgreiche Trüffeljagd: Grund genug, um Istrien abseits der bekannten Badeorte kennenzulernen.

Buzet Trüffelsuchen in Istrien

Trüffelsuchen in Istrien: nicht auf eigene Faust!

Ein großer Teil der Wälder befindet sich in Privatbesitz istrischer Familien. Es gibt aber auch öffentliche Wälder, in denen das Trüffelsuchen erlaubt ist. Hier kann jeder sein Glück versuchen, der sich an die gesetzlichen Spielregeln hält. Unter anderem ist die Suche nur zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang erlaubt. Da die Trüffel jedoch nicht wie ihre Pilzkumpanen an der Oberfläche wächst, sondern erst ausgegraben werden muss, ist die Suche auf eigene Faust ein eher trostloses Unterfangen. In der Gegend von Buzet leben viele Familien von der Trüffelsuche. Diese haben allerdings kompetente Helfer: Hunde.

Trüffeln in Buzet: auf zum Schnuppern, fertig, los!

Wer eine Trüffelsuche buchen möchte, findet viele Anbieter im Netz. Wir haben uns für Prodan Tartufi in Buzet entschieden und schon im Februar einen Termin für den 29. August fixiert. Visnja und ihr Bruder Mirko führen das Unternehmen in dritter Generation und haben die Trüffelsuche mit anschließender Verkostung groß aufgezogen. Da the early bird den Wurm und hoffentlich auch die Trüffel fängt, haben wir uns für die erste Suche um 9 Uhr entschieden.

Prodan Trüffeln Istrien

Heute ist es endlich soweit: Am frühen Morgen hat es geregnet – eine gute Voraussetzung für eine Trüffelsuche, da die Hunde den Geruch der Trüffel noch besser wahrnehmen können, wie wir von Visnja bei der Ankunft erfahren. Die vier Rabauken lernen wir auch gleich kennen. Da sie immer nur paarweise zur Trüffelsuche eingesetzt werden, hüpfen sie laut bellend hoch, um auf sich aufmerksam zu machen. Visnjas Bruder Mirko entscheidet sich für Brum und Stiv, die jüngeren im Team. Die beiden haben zwar noch wenig Erfahrung, sind dafür aber megamäßig motiviert. Gleich nachdem die Tür zu ihrem Gehege aufgeht, sind sie auch schon weg. Ob das wohl gut geht? Mal schauen …

Trüffelhunde im Einsatz

In Gummistiefeln, die wir von Visnja haben, stapfen wir hinter Brum und Stiv her. Dass die beiden Trüffelhunde herumtoben, ihr Geschäft verrichten und sich gegenseitig spielerisch verfolgen, sieht Mirko gelassen. Er lässt ihnen erst einmal eine viertel Stunde Zeit, um sich auszutoben. Erst dann erteilt er ein Kommando auf kroatisch. Wir können es zwar nicht verstehen, aber aus ihrer Reaktion ist zu sehen, dass sie sich nun ernsthaft auf die Suche machen und den Waldboden beschnuppern.

Trüffelsuchen in Istrien mit Hund
Trüffelsuchen in Istrien mit Hund

Für uns sieht das allerdings nicht nach einem strategischen Vorgehen aus, weshalb wir uns auch nicht erwarten, etwas zu finden. Doch schon zwanzig Minuten später, sollen wir eines Besseren belehrt werden:

Die Trüffelhunde schlagen an

Schon ist Mirko zur Stelle und legt mit den Händen den Waldboden frei. Ja, hier ist eine Trüffel, ist sich Mirko sicher. Keine Ahnung, was er da sieht, wir können jedenfalls nichts erkennen. Doch nicht nur das Finden, sondern auch das Freilegen der Trüffel ist eine Kunst. Um die Trüffel nicht zu beschädigen, geht Mirko äußerst vorsichtig vor. Wenige geschickte Handgriffe später hält er sie auch schon in der Hand: eine feste, schwarze Sommertrüffel. Meist wachsen die begehrten Pilze in Gruppen, sagt Mirko, weshalb er noch etwas weiter gräbt. Dieses Mal bleibt es jedoch bei der einen. Nachdem die Trüffel ausgegraben ist, folgt das Wichtigste: die Belohnung für die Hunde. Wir empfinden es eher als Tauschgeschäft: Keks gegen Trüffel. Ein Deal, den die istrischen Trüffeljäger allerdings nur mit ihren Hunden machen können, wie sie sagen. Schweine eignen sich zur Suche nicht. Mithilfe ihrer feinen Nasen würden sie zwar die Trüffel finden – hergeben würden sie die leckeren Pilze allerdings nicht. Auch nicht als Tausch gegen einen Keks.

Weißer und schwarzer Trüffel: großer Unterschied in Geschmack und Preis

Nur wenige Tage nach unserer Trüffelsuche beginnt die Saison der weißen Trüffel. Diese dauert von September bis Dezember. Unser Timing ist also mies. Aber was soll’s? Die besten weißen Trüffel findet man sowieso erst im November, wie wir in Buzet erfahren. Weshalb die weiße Trüffel um das Zehnfache teurer ist als die schwarze hat zwei Gründe, wie Visnja erklärt. Zum einen ist sie zehnmal intensiver im Geschmack und zum anderen kann die weiße Trüffel nicht angebaut werden. Zwischen 50 und 60 Prozent aller schwarzen Trüffel stammen aus einer Zucht, erfahren wir von Mirko. Daher auch der „moderate“ Preis. Auch Prodan Tartufi hat eine Versuchsfläche, auf der Trüffel angebaut werden, gestartet. Auf einer kleinen Wiese wurden Eichen gepflanzt und deren Wurzeln mit den Sporen von schwarzen Trüffeln versehen. Ob das funktioniert? Ja, sagt Visnja, die ersten Trüffel konnte sie bereits ernten.

Trüffeln aus Istrien
Ernte: Trüffeln aus Istrien

Trüffelessen mit Blick auf Buzet

Nach unserem Fund kehren wir wieder zum Haus der Prodans zurück. Auf der neu angelegten Terrasse hat Visnja schon den Tisch für uns gedeckt, denn jetzt folgt die Verkostung. Als Vorspeise erhalten wir eine Auswahl an Trüffelpasteten auf Weißbrot, Trüffelöl, Trüffelkäse aus Kuh- und Schafsmilch sowie mit Trüffel versetzte Salami. Köstlich! Bei der Zubereitung der Hauptspeise dürfen wir zusehen. Visnja hat sich für eine Eierspeise mit Trüffeln entschieden. Warum? Weil man hier den Trüffel am besten schmeckt, sagt sie.

Eierspeise mit Trüffeln

Als Zutaten verwendet sie geschlagene Eier, Wasser, Butter – nicht zu knapp, Käse und natürlich Trüffel. Zuerst kommt die Butter in die Pfanne. Die Temperatur muss sehr niedrig sein, damit die Butter nicht verbrennt. Gleich nachdem sie geschmolzen ist, kippt Visnja schon das Wasser darüber. Anschließend kommt die geriebene Trüffel dazu. Sobald das Wasser verdampft ist, folgen die Eier. Über das fertige Gericht werden Käse und Trüffel gerieben. Das Geheimnis: Die Trüffel muss hauchdünn geschnitten werden. Als Nachspeise serviert Visnja Vanilleeis mit Trüffelhonig. Eine echt perfekte Kombination.

Nach zwei Stunden sind die Suche und die Verkostung auch schon wieder vorbei. Bleibt nur noch ein kurzer Abstecher in den Trüffelladen der Familie. Natürlich gibt es auch allerhand Alternativen, denn wer im Landesinneren von Istrien Trüffel kaufen will, der muss nicht lange suchen. Überall werden Produkte aus Trüffeln angeboten. Wir haben uns für ein Pesto entschieden, das wir sowohl für Nudelgerichte als auch für Risotto verwenden können. Mal schauen, ob es zu Hause gleich gut schmeckt …

Abstecher in die kleinste Stadt der Welt

Nicht nur bei den Prodans, sondern überall in der Region Buzet steht Trüffel auf der Speisekarte. Zahlreiche Restaurants bieten die beliebten Pilze mit Nudeln, Gnocchi, auf der Pizza und in Kombination mit Fleisch an. Dass es auch überall gleich gut schmeckt, kann ich leider nicht behaupten. In einer Taverne war der Trüffel viel zu dick geschnitten und schmeckte daher hart und nur nach Erde. Abgesehen von diesem einen Erlebnis ist die regionale Trüffelküche jedoch sehr empfehlenswert. Neben Kulinarischem locken viele kleine Ausflugsziele in die Großregion Buzet, so wie die kleinste Stadt der Welt.

Hum: kleinste Stadt der Welt
Hum: kleinste Stadt der Welt

Ausflugsziele rund um Buzet in Istrien

Hum ist über eine Bergstraße erreichbar und bietet einen schönen Ausblick über die Region. Nach zehn Minuten hat man allerdings auch schon alles gesehen, darüber hinaus wirkt das Ministädtchen nicht sehr bewohnt. Highlight: der Souvenir-Shop in der Nähe des Restaurants. Hier erhält man selbstgemachte Produkte – vom Kunsthandwerk bis hin zu Selbstgebranntem. Der Mistelschnaps mit Kräutern ist typisch für die Gegend und soll schon zu jener Zeit hergestellt worden sein, als die Kelten das Land besiedelten.

  • Die kleinste Stadt der Welt: Hum
  • Motovun
  • Gorznjan
  • Die Altstadt von Buzet

Impressionen aus Gorznjan

Motovun in Istrien
Motovun in Istrien

Neben Hum sind die kleinen Städtchen Motovun und Gorznjan und natürlich die Altstadt von Buzet einen Besuch wert. Hier flaniert man durch Jahrhunderte alte Gassen, genießt gutes Essen und kann so manche interessante Galerie entdecken. Tipp: das jährliche Trüffelfest in Buzet im Herbst. Zu diesem Anlass kochen die „Trüffelfamilien“ Eierspeise mit weißem Trüffel in einer riesigen Pfanne. Wert: 50.000 Euro.

Na dann, Mahlzeit!

Übernachten in Buzet



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