Jamaika: Mangos, Marihuana, Youtube-Stars & Riesenkrabben.

Jamaika: Mangos, Marihuana, Youtube-Stars & Riesenkrabben.

Jamaika Reisebericht Negril: „The Island in the Sun“

Im Anschluss an New York ging es für vier Tage nach Jamaika. Gedanklich hatten wir uns auf jede Menge Sonne, schöne Strände, leckeres Essen und nette Menschen eingestellt. Die Ernüchterung kam schnell und erbarmungslos.

Aber am besten ich beginne mit meinem Jamaika Reisebericht ganz von vorne. Der Hinflug mit US Airways (eine Fluglinie, die ich in Zukunft tunlichst meiden werde, American Airlines ist viel besser!) war holprig. Somit verspürte ich bereits bei der Ankunft eine leichte Übelkeit. Der Transfer vom Flughafen zum Guesthouse verlief dann reibungslos. Einziges Ärgernis: Alle anderen Urlauber begannen bereits im Bus zu trinken – dementsprechend war dann die Stimmung: wie eine Klassenfahrt, aber mit betrunkenen Erwachsenen anstatt grölender Teenies. Sehr super. Das Wetter zeigte sich leider auch nicht von seiner besten Seite: stark bewölkt, einzelne Regenschauer. Sunshine Reggae? Nix da.

Ankunft im Guesthouse auf Jamaika: die ersten Eindrücke

Wir hatten das Guesthouse Banana Shout Resort in Negril gebucht. Diese Unterkunft liegt direkt an den Klippen und neben dem bekannten Rick’s Cafe (wurde vom Caribbean Travel and Life Magazine zu einer der 10 besten Bars der Welt gewählt) Von unserem Gastgeber Milo wurden wir sehr freundlich empfangen. Er gab uns auch gleich Restaurant-Empfehlungen und warnte uns, dass Rick’s Café eine ziemliche Abzocke sei. Dort sollte man höchstens hingehen um den berühmten Cliff-Divern beim Springen zuzusehen und den Sonnenuntergang zu genießen – seine Worte.

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Doch wir wollten nicht hören und erhielten die Quittung in Form von ohrenbetäubend lauter Musik, fadem Essen und picksüßen Cocktails in Plastikbechern – beides natürlich komplett überteuert. Aber das versteht sich von selbst. Naja, ich finde ja, man muss sich in jedem Land als Tourist einmal abzocken lassen, sonst hat man was verpasst. Also: Check!

Essen im Café Shark’s in Negril und jamaikanische Zuckerschnuten

Am ersten Tag statteten wir aber dem Cafe Shark’s einen Besuch ab. Den überwiegend positiven Bewertungen, die man auf tripadvisor findet, kann ich mich hier aber leider nicht anschließen. Mein Fazit in Bezug auf das Essen: kleine Auswahl, durchschnittlicher Geschmack, überteuert. Positiv hervorzuheben sind die Cocktails – ich hatte irgendwas bananiges, Pina Colada-mäßiges und das war sehr lecker.

Zudem erlebten wir folgende herrliche Situation: Wir sitzen gefühlte 10 Sekunden an unserem Tisch, da gesellt sich ein Jamaikaner zu uns. Erst ist das Gespräch ganz nett, er schnorrt sich eine Zigarette, erzählt uns von Jamaika. So weit so gut. Schon bald schwärmt er uns von seinen schönen Mangos und Aloe Vera Pflanzen vor und meint, dass wir sie unbedingt probieren müssen. Höflichkeitshalber verlautbaren wir also eine zaghafte Zustimmung. Und zack weg ist er, sitzt auf seinem schrottreifen Rad und strampelt los (wären wir in einem Comic, hätte man eine riesige Staubwolke gesehen). Wir werfen uns ratlose Blicke zu: „Holt der jetzt echt Aloe Vera und Mangos?“ Wir sind verwirrt. Die Verwirrung hält aber nicht lange, denn kurz darauf ist er wieder da – mit den versprochenen Naturalien. Haben will er dafür plötzlich satte 20 Dollar. Da fällt uns erst mal ganz gediegen die Kinnlade runter, mein Mund formt sich zu einem großen „O“. Gezahlt haben wir schließlich 5 Dollar. Nachdem er uns bereits ungefragterweise Aloe Vera ins Gesicht geschmiert hat.

„Ok, endlich essen“, dachte ich mir dann Aber denkste! Schon kam der nächste verkaufstüchtige Jamaikaner zu uns an den Tisch. Arthritis-heilende Holzlöffel hatte er in seiner Tasche dabei. Schön langsam verging uns das Essen. Ich wimmelte ihn ab und wir flüchteten zurück ins Banana Shout. Das liegt übrigens fast direkt neben Shark’s, dennoch wurden wir am Weg dreimal mit „Hey Girls“ angequatscht, zwei Autofahrer wollten uns unbedingt mitnehmen und ein selbsternannter „Youtube-Star“ („Hey, check me out on youtube, I’m really famous there“, leider, leider hab ich mir seinen Namen nicht gemerkt …) hielt uns seine CD unter die Nase. Getoppt wurde das alles aber von einem reizenden alten Mann, der mich lauthals als „mean little shit“ beschimpfte, weil ich ihm keine Zigarette geben wollte. „Ich will heim zu meiner Mama bzw. Freund…“, dieser Satz lief von nun an in Endlosschleife durch meinen Kopf.

Riesenkrabben-Alarm im „Outdoor-Bad“

Abends erlebten wir dann einen (im wahrsten Sinne des Wortes) tierischen Schock. Da unser Badezimmer ein kleiner Außenanbau mit schlecht schließendem Dach war, konnten problemlos Tiere ein und aus krabbeln. „Schöne Sch****“, denkt ihr euch jetzt? Ja, das dachte ich mir auch. So kam es zu folgender Geschichte: Ich gehe ins Bad zum Zähne putzen, öffne die Tür und bewege mich auf das Waschbecken zu. Da rast ein (meiner Empfindung nach riesengroßes) Tier aus einer dunklen Ecke auf mich zu. Der Rest ging dann in etwa so: Ich: „Aaaaaah iiiiiiihhhh quietsch“, Türe knall, trampel trampel, Treppe rauf zurück ins Zimmer. „Isa, Spinne, Spinne, aaahh so wääääh.“

Zusammen mit Isa, eine meiner liebsten Freundinnen und in diesem Fall Reisepartnerin, ging es noch mal zurück ins Bad. Meine Angst: Vogelspinne! Keine Ahnung, gibt es so was auf Jamaika??? Schließlich die Erkenntnis: Eine Krabbe. Riesenkrabbe! Irgendwie auch nicht besser. Und sie hockt einfach da und stiert uns an. Verdammt, das war’s wohl mit Zähne putzen. Und nein, es ist mir nicht peinlich, dass ich mich von einer Krabbe aus dem Badezimmer vertreiben hab lassen. Echt nicht.

Joko und Klaas: Echte Stars am Half Moon Beach auf Jamaika 

Ihr fragt euch wann ich Quatschtante endlich was von endlosen Sandstränden erzähle, wie man sie aus der Raffaello-Werbung kennt? Hmm… jetzt. Ich bin mir sicher, es gibt viele wunderschöne Strände auf Jamaika mit glasklarem Wasser, ganz viel feinem Sand und bla. Leider waren wir dort nicht. Sorry. ABER: einen super Strand haben wir gefunden, den Half Moon Beach – der wurde uns im Banana Shout empfohlen. Dort konnten wir dann doch gut entspannen – endlich! Wer Angst vor Hunden hat, sollte den Strand aber lieber meiden. Denn die Besitzer haben einige große Hunde, die frei herumlaufen. Super ist, dass an allen drei Tagen, die wir am Strand waren, kaum andere Leute dort waren. Außerdem wird man von niemandem blöd angequatscht. Eine kleine Bar gibt es auch, wo man Snacks und Getränke bestellen kann. Achja, und man zahlt zwar ein paar Dollar Eintritt, aber diese kleine Investition zahlt sich definitiv aus.

Und jetzt mein Highlight: Am zweiten Tag am Halfmoon-Beach biegen plötzlich Joko und Klaas mitsamt Pro Sieben Fernsehteam ums Eck. Da fiel mir erst zum zweiten Mal die Kinnlade runter – diesmal aber im positiven Sinn. Mein Gedankengang: „Da bin ich am A**** der Welt und treffe zum ersten Mal in meinem Leben richtige Promis – WAHNSINN.“ Und dann wurde vor unseren Augen gedreht. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, aber ich denke es war für deren Sendung Zirkus Halligalli. Ausgestrahlt wird die Folge auf jeden Fall im Winter. Und ja, ich weiß, jetzt wollt ihr sicher Beweisfotos sehen! Würd ich auch wollen an eurer Stelle. Und es gibt auch welche. Aber ich musste versprechen nichts davon online zu stellen und daran werde ich mich halten, tut mir leid.

Aber ich kann euch verraten: Klaas schien leicht genervt, Joko hingegen war sehr sympathisch – er hat uns sogar ein Bier angeboten. Und wie viele Menschen können das schon von sich behaupten?

Autofahr-Spaß auf Jamaika: ohne Gurt, dafür mit Marihuana

Eine kleine Notiz zum Thema „Verkehrssicherheit“: Vom Resort aus gab es einen eigenen Taxifahrer, da es eben doch nicht ungefährlich ist in Jamaika und die Distanzen zu Strand und Co eher groß sind. Gurte gibt es natürlich keine im Auto, dafür fahren die Jamaikaner besonders halsbrecherisch – juhu! Ganz nach dem Motto: Wenn schon denn schon! In dem verbeulten „Taxi“ roch es übrigens meist stark nach Marihuana. Da macht Jamaika seinem Ruf alle Ehre.

Jamaika: Honeymoon-Paradies

Eine kleine Notiz zum Thema „Mitreisende“: Die meisten anderen Touristen (zumindest die, die wir trafen) waren frisch vermählte Amerikaner. Alle noch sehr jung, alle Damen mit einem Riesenklunker am Finger. Beim Rückflug habe ich allein in der Schlange beim Check-in vier solche Pärchen entdeckt. Irgendwie befremdlich, wenn man selbst mit 26 noch immer in einer WG wohnt, ohne Kuscheltier nicht verreisen will und irgendwie so gar nicht weiß was man vom Leben will. Jamaika ist also vielleicht nicht die ideale Urlaubsdestination für frisch-gebackene Singles.

Ein Wiedersehen mit Jamaika? Mal sehen. Wie sind eure Erfahrungen mit „The Island in the Sun“?

2 Comments

  1. Hallo, schade dass ihr auch solche Erfahrungen auf Jamaika machen musstet. Ich habe in Kingston und Umgebung eine sehr interessante Seite von Jamaika kennen gelernt. Ich denke, in den Ecken, in denen viel Tourismus ist, ist leider auch die Wahrscheinlichkeit gross, abgezockt zu werden. Aber der Ausgleich kam dann ja durch das Treffen mit den Zirkus Halligalli Promis 🙂

  2. Pingback: Flitterwochen im Januar - Lieben Leben Reisen

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