Šolta ist eine Insel, die kaum jemand kennt. Šešula eine Bucht, in die man nur mit dem Boot kommt. Und das Restaurant Šišmiš hat uns ein Abendessen kredenzt, das ich so schnell nicht vergesse. Es gibt Momente auf einer Reise, auf die man nicht vorbereitet ist. Nicht weil man schlecht geplant hätte, sondern weil sie besser werden, als man sich hätte vorstellen können.
Šolta. Bucht Šešula. Das Restaurant Šišmiš.
Inhaltsverzeichnis
Unser letzter Abend auf dem Törn war so ein Moment. Šolta. Bucht Šešula. Das Restaurant Šišmiš. Und ein Liegeplatz, den das Restaurant selbst betreibt – direkt im Wasser, Bug an die Boje, Blick auf die Bucht, Terrassenlichter irgendwo zwischen den Felsen. Ich erzähle das der Reihe nach.
Šolta – die Insel, die niemand sucht und alle lieben
Šolta liegt nur neun Seemeilen von Split entfernt – und trotzdem fühlt sie sich an wie eine andere Welt. Die Fähre fährt in der Saison bis zu acht Mal täglich, die Überfahrt dauert circa eine Stunde. Und trotzdem – oder vielleicht genau deshalb – ist Šolta vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben. Statt auf überfüllte Strände zu fahren, kann man einfach auf die Fähre steigen, die Brise auf dem Deck genießen und eine Stunde später auf einer Insel sein, auf der das Meer noch glasklar ist und die Kiesstrände nicht überfüllt sind. Von den Einheimischen auch als „The Green Island“ bezeichnet, besticht sie durch unberührte Natur und den authentischen Lebensstil ihrer Bewohner. Die Insel hat sich in den letzten Jahren vor übermäßigem Bau und touristischer Expansion geschützt – und das sieht man.
Mit 58 Quadratkilometern und rund 1.700 Einwohnern gehört Šolta zu den kleineren dalmatischen Inseln. Eine Hauptstraße führt von Ost nach West, verbindet die Hauptorte und führt durch eine Landschaft, die nach Pflanzen riecht statt nach Sonnencreme: Olivenhaine, Weinberge, Macchia, Feigenbäume. Die Einheimischen nennen sie schlicht die Grüne Insel. Der Name stimmt.

Die Orte auf Solta – jeder mit eigenen Charakter
Grohote ist das Herz der Insel – größter Ort, Verwaltungszentrum, und einer jener Innenlandorte, die man nicht erwartet, wenn man an eine Adriainsel denkt. Keine Promenade, kein Hafen, stattdessen: Steingassen, Barockkirche, Fresken aus dem 14. Jahrhundert in der alten Dorfkirche. Hier kaufen die Einheimischen ein, hier liegt die traditionelle Tvrdić-Honigfarm, auf der man dem wohl berühmtesten Produkt der Insel begegnet – einem Honig, der seit Generationen auf Šolta produziert wird und den man einmal probiert haben sollte.
Stomorska an der Ostküste ist das mediterrane Bilderbuchdorf – türkisfarbenes Wasser, kleine Strände, ein Hafen, an dem die Zeit langsamer läuft. Ruhig, fotogen, authentisch.

Nečujam liegt in der größten Bucht der Insel und hat sich in den letzten Jahren zur moderneren Touristendestination entwickelt – mit Stränden, Sportangeboten und Sommerkonzerten. Wer etwas Betrieb sucht, ist hier richtig.
Und dann ist da noch Maslinica.
Maslinica – das Dorf an der Westspitze
Maslinica liegt am äußersten Westende der Insel, als würde es sich ans Meer klammern. Ein kleiner Hafen, eine Handvoll Steinhäuser, eine palmengesäumte Promenade. Und vor dem Hafen: sieben kleine unbewohnte Inseln, die eine natürliche Lagune bilden.
Maslinica ist das Dorf an der Westspitze der Insel – es besteht aus einem kleinen Hafen, einer Handvoll Steinhäuser und dem Kastell Martinis Marchi aus dem 18. Jahrhundert, das heute ein außergewöhnliches Boutique-Hotel* beherbergt. Darin befindet sich auch eines der besten Restaurants der Insel und davor eine moderne Marina für Yachten bis 30 Meter. Die Geschichte ist also noch da – man schläft bloß darin.
In der Nähe von Maslinica liegt außerdem der Sipova-Strand: der einzige Sandstrand der Insel Šolta, von Pinienwäldern umrahmt, ein echter Geheimtipp selbst für Šolta-Kennende.
Insel Šolta Unterkünfte
In Maslinica nur 100 m vom Strand entfernt liegt die Unterkunft Holiday Home Lea* mit sehr schöner Terrasse mit Meerblick und Top-Ausstattung. Besonders gut gefällt mir auch das schöne Apartment Pavlimir* direkt am Wasser in Stomorska. Das Ferienhaus House Tihanka* in Grohote – ist zwar 1,5 km vom Strand entfernt hat dafür einen schönen Pool.
Was Šolta produziert – und warum das wichtig ist
Šolta ist eine Insel, die von dem lebt, was sie anbaut. Das Olivenöl von Šolta ist mehrfach international ausgezeichnet – goldfarben, fruchtig, kräftig. Der Wein von der Insel ist der Dobričić, eine alte autochthone Rotweinsorte, die fast nur hier auf Šolta gedeiht. Und der Honig – der Tvrdić-Honig aus Grohote – ist eines jener Produkte, über die man erst dann versteht, warum sie besonders sind, wenn man sie probiert hat.
Wer Šolta von Land aus erkundet, sollte sich Zeit nehmen für die Agrotourismusbetriebe der Insel: kleine Familienbetriebe, auf denen man lernen kann, wie Olivenöl gepresst, Wein ausgebaut und Honig geerntet wird. Das ist kein Event für Touristen – das ist Šoltas Alltag.
Wir waren am letzten Abend unseres Segeltörns in Kroatien auf der Insel Šolta.
Die Bucht Šešula – man kommt nur mit dem Boot
Die Bucht Šešula liegt etwa einen Kilometer südlich von Maslinica. Man kann sie zu Fuß erreichen – ein zehnminütiger Spaziergang von Maslinica über die Straße. Aber die meisten Menschen, die hier ankommen, kommen mit dem Boot.
Und das ist auch richtig so.
Die Bucht Šešula gilt als eine der besten Ankerplätze an der dalmatischen Küste. Die Bucht ist tief eingeschnitten, ruhig, von Felsen und mediterranem Grün umgeben. Das Wasser ist klar. Die Welt ist still. Und am Ende der Bucht, in den Hang hineingebaut, leuchtet abends eine Terrasse.
Das Restaurant Šišmiš.

Das Restaurant Šišmiš – eine Fledermaus, die auch Falstaff kennt
„Šišmiš“ heißt auf Kroatisch Fledermaus. Warum das Restaurant so heißt, weiß ich nicht genau – aber der Name passt zu einem Ort, der sich in einen Felsen hängt und nur in der Dunkelheit so richtig auflebt.
Das Restaurant Šišmiš in der Šešula-Bucht auf Šolta galt vor vielen Jahren noch als echter Geheimtipp. Ganz versteckt am Ende der Bucht, in den Hang hineingebaut, sprach sich der Ruf der Spitzengastronomie schnell herum – und so zählt das Restaurant heute zu den besten in der Region.
Das österreichische Gastromagazin Falstaff hat das Šišmiš im internationalen Restaurantguide 2025 für Kroatien gelistet und mit 86 Punkten bewertet – 44 von 50 für das Essen, 18 von 20 für den Service, 16 von 20 für den Wein und 8 von 10 für das Ambiente. Für ein Restaurant, das man nur mit dem Boot, zu Fuß oder mit dem Auto über einen Feldweg erreicht, ist das eine Ansage.
Betrieben wird das Šišmiš von der Familie Ružič – einem Ehepaar, das auch das Schwesterrestaurant Šakajet in Maslinica führt. Was als Cocktailbar in der Šešula-Bucht begann, wuchs zu einem Feinschmeckerrestaurant heran, das die Gäste aus Maslinica anzog, die extra den Weg nach Šešula auf sich nahmen.



Der Bojenplatz – das Boot ist das Vorzimmer
Das Besondere am Šišmiš-Erlebnis beginnt noch vor dem ersten Schluck: das Anlegemanöver.
Das Restaurant betreibt in der Bucht ein eigenes Bojenfeld. Man macht mit dem Bug an der Boje fest und nimmt eine Muringleine auf, die zum Ufer führt. Meist teilen sich zwei Yachten eine Boje. Der Liegeplatz kostet nichts – er ist im Restaurantbesuch inklusive. Man legt an, springt vielleicht noch einmal ins Wasser, duscht kurz an Bord, zieht sich um.
Die Überfahrt mit dem Dingi ist aufregend. Dann geht man einfach vom Boot aus ins Lokal.
Das ist kein Hotel mit Bootsanlegesteg. Das ist ein Restaurant, das verstanden hat, dass seine Gäste mit dem Boot kommen – und das entsprechend mitgedacht hat.
In der Hochsaison ist eine Reservierung für Tisch und Liegeplatz dringend ratsam. Wer spontan kommt, riskiert, keinen Platz zu bekommen – weder für das Boot noch am Tisch.

Das Essen – kein Ćevapčići, kein Durchschnitt
Wer ins Šišmiš kommt, kommt nicht, um Pizza oder Ćevapčići zu essen. Das steht ohnehin nicht auf der Karte. Fantasievoll angerichtete Vorspeisen, fangfrischer Fisch, saftige Steaks und köstliche Nachspeisen – kombiniert mit einem herrlichen Ambiente direkt am Meer und erstklassigem Service.
Das Restaurant kombiniert traditionelle Rezepte mit einem modernen Kochansatz und schafft so ein einzigartiges Erlebnis, das selbst anspruchsvolle Gaumen zufrieden stellt.
Die Leidenschaft für Wein spiegelt sich auf der Karte wider – kroatische Weine, dalmatische Tropfen, ausgewählt von Menschen, die wissen, was sie tun. Wer den Dobričić von Šolta noch nicht kannte – einen kräftigen Rotwein, der fast nur auf dieser Insel wächst –, hat hier die Gelegenheit. Und er hat gemundet!
Die Preise sind gehoben. Das ist ehrlich und fair gesagt. Das Šišmiš ist keine Konoba für den schnellen Abend – es ist ein Restaurant für einen schönen Abend.


Was dieser Abend mit einem macht
Es war unser letzter Abend auf dem Törn. Morgen früh um acht sollten wir zurück in der Marina Trogir sein.
Wir lagen mit dem Katamaran in der Šešula-Bucht, das Boot schaukelte sanft, die Terrasse des Šišmiš leuchtete zwischen den Felsen. Nach dem Essen sind wir an Bord zurückgekehrt, haben auf dem Vordeck gesessen, noch eine Flasche Wein gemeinsam getrunken und die Bucht auf uns wirken lassen. Stille. Wasser. Sterne, so viele, wie man sie von Land aus kaum sieht.
Das ist das Ding mit dem Segeln: Die schönsten Momente sind keine Sehenswürdigkeiten. Sie sind Buchten, in die man am Abend einfährt und von denen man am nächsten Morgen ungern wieder ablegt.
Die Šešula-Bucht mit dem Šišmiš ist so eine Bucht.
Praktisches auf einen Blick
- Restaurant Šišmiš – Bucht Šešula, nahe Maslinica, Insel Šolta
- Erreichbar: mit dem Boot (Bojenfeld direkt beim Restaurant)
- Reservierung empfohlen: für Tisch und Liegeplatz, besonders in der Hochsaison
- Kontakt: sismisrestaurant.com / +385 (98) 560436
- Öffnungszeiten: täglich ab 13:00 Uhr (Sommer)
- Preiskategorie: gehoben – kein Schnellabendessen, sondern ein Abend

Mein Fazit zu Šolta
Šolta ist ein wenig anders als Brac oder die Insel Vis, die wir auf unserem Kroatien Segeltörn besucht haben. Šolta besticht mit einer hügeligen Landschaft mit kleinen, verträumten Dörfern wie Grohote, Maslinica und Stomorska. Für uns war es ein Ankerplatz für eine Nacht samt fantastischem Restaurant-Besuch. Aber ich hab mir bereits einige Unterkünfte angeschaut, und kann mir echt vorstellen hier ein paar ruhige Tage während eines Dalmatien Urlaubs zu verbringen. Denn auf Šolta gibt es keine riesige Marina, kein Hotelkomplex, kein Kreuzfahrtschiff am Horizont – das verspricht Ruhe und Entspannung.
FAQ zu Šolta, der Šešula Bucht und dem Restaurant Šišmiš
Wie kommt man auf die Insel Šolta?
Vom Hafen in Split verkehren mehrmals täglich Autofähren und Katamarane direkt nach Rogač, dem Haupthafen der Insel. Reisende mit Mietwagen oder eigenem Auto nutzen die Autofähre von Jadrolinija, die etwa eine Stunde unterwegs ist. Wer ohne Fahrzeug reist, ist mit dem schnellen Katamaran in nur rund 30 Minuten auf Šolta. Direkt nach Ankunft der Fähren warten in Rogač Busse, die die wichtigsten Orte der Insel anfahren – darunter Maslinica, Grohote, Nečujam und Stomorska.
Wo liegt die Insel Šolta?
Šolta liegt in Mitteldalmatien vor der kroatischen Adriaküste und gehört zu den Inseln des Split-Archipels. Die Insel befindet sich nur etwa neun Seemeilen beziehungsweise rund 18 Kilometer südwestlich von Split.
Benötigt man ein Auto auf der Insel Šolta?
Die schönsten Buchten und Strände liegen oft etwas abseits der größeren Orte, sodass du mit einem Mietwagen wesentlich flexibler bist. Die Insel verfügt über Busverbindungen, die sich an den Fährzeiten orientieren und die wichtigsten Orte miteinander verbinden. Außerdem lassen sich viele Strecken mit dem Fahrrad, E-Bike oder Roller zurücklegen.
Welche Strände gibt es auf der Insel Šolta?
Obwohl Šolta deutlich ruhiger ist als Hvar oder Brač, hat die Insel einige wunderschöne Badeplätze zu bieten. Zu den bekanntesten Stränden gehören: Nečujam, Livka-Bucht, Strände von Rogač, Maslinica und Stomorska und viele kleine versteckte Buchten.
Wo befindet sich Rogač auf der Insel Šolta?
Rogač liegt an der Nordküste von Šolta und ist der wichtigste Hafen der Insel. Hier kommen sämtliche Fähren und Katamarane aus Split an.
Wie viele Einwohner hat die Insel Šolta in Kroatien?
Šolta zählt rund 1.500 Einwohner. Gerade diese geringe Einwohnerzahl trägt zum entspannten und authentischen Charakter der Insel bei.
Welche Orte gibt es auf der Insel Šolta?
Šolta besitzt mehrere charmante Dörfer und Küstenorte: Grohote, der Hauptort der Insel, Rogač, da liegt der große Fährhafen, Nečujam, Maslinica – malerischer Hafenort, Stomorska – traditioneller Fischerort, Donje Selo, Srednje Selo, Gornje Selo. Jeder Ort hat seinen eigenen Charakter – von lebhaften Hafenorten bis hin zu ruhigen Dörfern mit traditionellen Steinhäusern.
Wo befindet sich die Bucht Šešula auf der Insel Šolta?
Die Bucht Šešula liegt an der Westküste von Šolta, unmittelbar südlich von Maslinica. Sie zählt zu den bekanntesten Naturbuchten der Insel und wird besonders von Seglern und Bootsfahrern geschätzt. Die langgezogene, geschützte Bucht bietet hervorragenden Schutz vor Wind und ist von dichtem Pinienwald umgeben.
Kann man in der Bucht Šešula kostenlos mit dem Segelboot ankern?
Grundsätzlich kann man in der Bucht ankern, allerdings nicht ganz kostenlos. Da gibt’s einen Deal. Das Restaurant Šišmiš betreibt in der Bucht ein eigenes Bojenfeld. Wer hier ankern möchte, bucht einen Tisch im Restaurant und gönnt sich hier ein herrliches Dinner. Der Liegeplatz kostet nichts – er ist im Restaurantbesuch inklusive. Dieser Besuch ist aber obligat. Und: du wirst es nicht bereuen! Gerade im Sommer sind die begehrten Plätze schnell vergeben. Wer sicher anlegen und anschließend entspannt essen möchte, sollte deshalb vorab reservieren. In Seglerkreisen gilt Šešula dennoch als einer der beliebtesten und sichersten Naturankerplätze rund um Split.













