Seiser Alm Gröden

Gröden, Seiser Alm & Wolkenstein: Fabelhaftes Wandererlebnis!

[Gastbeitrag] Sabine nimmt uns heute mit nach Gröden, ins schöne Südtirol. Über Jahrzehnte hinweg verbrachte sie jede freie Minute in Südtirol, und ist nun seit mittlerweile 3 Jahren fix im Vinschgau angesiedelt. Heute teilt sie ihre große Leidenschaft mit uns und entführt uns auf fabelhafte Wanderungen durch die Grödner Dolomiten, über die Seiser Alm bis nach Wolkenstein. Lasst euch von diesem lebhaften Erlebnisbericht in einen der schönsten Landstriche der Alpen entführen.

Gröden und die Seiseralm, welch herrliche Kulisse!

Sonntag startete ich gleich nach der Anreise um 10 Uhr noch auf die Seiser Alm, das schöne 15er-Wegerl hinauf bis zur Sonne. Es war den ganzen Tag eher bedeckt-licht, manchmal so schwarzwolkig, dass man Gewitter vermutet hätte. Dass die Seiser Alm derart lieblich-zauberhaft ist, sogar Flüsschen eilen hindurch und man wandert bis Saltria sanft hügelan, hügelab. Und die Kulisse! Die Rosszähne, der Schlernrücken.

Schlern - Seiser Alm Gröden
Der Schlern

Eigentlich wollte ich den Weg der Ladiner gehen bis zur steinernen Stadt oder Wolkenstein. Konnte aber die Distanzen und Zeiten noch nicht recht einschätzen und wanderte weiter – immer hautnah am Fuß des Platt- und Langkofels, die eine enorme Ausstrahlung haben – unterhalb des Mont de Seura hinaus bis zur Fischburg, die ich endlich einmal von Nahem begutachten wollte.

Fischburg Wolkenstein
Die Fischburg

Der Zirbenduft erfüllt die Bergluft in Gröden

Montag über Brogles nach St. Magdalena, ein Blick auf Ranui und über die Petererscharte auf Innerraschötz. Bei zum Niederknien überwältigendem Panorama (und auch Wetter inzwischen) hinunter zur Funicolare. Ahhh. Wie glücklich fühlte ich mich da droben, wie an jedem Tag, der am Berg verbracht werden kann. Allerdings haben die Grödner nochmal eine ganz anders griffige Bergluft, die stete Nähe zu den Zirben ist spürbar, und die Optik dieser bleichen Berge hat einen ganz besonderen, knochig-ätherischen Zauber. Überall fällt auf, dass man zu großen Teilen auf rotem Porphyr sitzt, Erde, Felsen – das wunderbare Rot.

Ranui Kirchlein
Kirchlein in Ranui

Für Dienstag hätte ich mir den Sas Rigais eingebildet, mir am Vorabend bei den Catores einen Klettergurt ausgeliehen. Sah aber am Sonntag noch einige Schneefleckerl darauf, und in der Mittagsscharte war, wie ich jetzt feststellte, noch gut Schnee. Also beschloss ich, mir das nicht unbedingt geben zu müssen. Ist auch fraglich, ob es der brüchige Schutthaufen wirklich sein soll. Später im Jahr ganz gewiss!

Wolkenstein, das höchstgelegene Dorf von Gröden

So plante ich um, fiel etwas zu spät aus dem Bett, war ja auch auf den Bus angewiesen, und entschied mich – glücklicherweise! – für die „Wolkenstein-Tour“. Das gesamte Areal unterhalb und um die Kirche wird derzeit umgegraben, sodass man kaum noch einen Durchgang findet. Kämpfte mich aber doch bis zum Kreuzweg hinauf, dann ging es frohgemut zur Wolkenstein-Ruine. Niemals hätte ich erwartet, wie tief diese mich trifft und bewegt… Die Atmosphäre, der Geist, der dort noch immer weht. Da muss jemand die Einsamkeit und das Fern-von-der-Welt sehr geliebt haben, so wie die Burg – quasi unsichtbar – oben am Fels klebt wie ein tibetisches Drachenkloster. Viel Zeit habe ich darin verbracht, jeden Winkel erkundet.

Die Burg von Wolkenstein klebt wie ein tibetisches Drachenkloster am Fels

Wolkenstein in Gröden

„Monument Valley Feeling“ im Grödner Tal

Dann weiter zu St. Silvester mit den wunderschönen Fresken und Einstieg (endlich, um 9) ins Chedultal. Da wusste ich noch nicht, was mich erwartet… Fortschreitend komplett überwältigt von der monumentalen Wucht vor meinen Augen: rechts die Sägezähne des Cir-Massivs, links der ewiglange, rötlich-sandfarbene Rücken des „Monument Valley“. So habe ich’s genannt – was soll man in die USA reisen wollen, wenn solche Schätze direkt vor der Haustür liegen! Man fühlt sich wie in einem Western und der Wortschatz versagt vor dieser Größe und Schönheit.

Am Crespeinajoch angekommen, öffnet sich der Blick dann plötzlich für ein ganz neues Wunder, gegensätzlicher schwer denkbar: Eine weite, flache Schüssel grau-weißer Mondlandschaft, ein kleines, smaragdgrünes See-Auge mittendrin, bizarr-spektakuläre Gipfelpersönlichkeiten rundherum.

Crespeina Joch

Der Langkofel aus bisher unbekannter Perspektive, ein unglaublicher Blick durch die U-förmige Felsenenge im Langental über Wolkenstein hinweg zur Seiseralm, Schlern. Rechts davon, von ganz neuer Seite, Raschötz, Odles, Rigais, Furchetta… und der unübersehbar formschöne Sas Songher. Der Abzweig nach Kolfuschg hinunter wird links flankiert von einem besonders markanten Turm. Und auch in der Ferne ein ganz ungewöhnlich geformter Berg.

Langkofel
Langkofel

Aus dem Staunen und Genießen kam ich gar nicht mehr heraus. Was mich dann nochmals total gefangen nahm, schon gleich aus der Ferne, ist dieser, wie nicht dorthin gehörende, dunkle Sand-und-Fels-Hutberg. Als sei er – einem kleinen Ayers-Rock gleich – einfach vom Himmel gefallen, mitten in diese Hochebene. Inzwischen weiß ich: der Col de la Soné, der tönende Hügel.

Col de la sone

Schiere Seligkeit, Augen und Herz weit offen, die Seele jubiliert – beim frohen Marsch durch diese Kargheit, die alle nur denkbare Fülle offenbart! Nur zu viele Leute waren schon unterwegs, zwei schütteten mir dann vollends das Kraut aus, ständig an meinen Fersen und ununterbrochen weithin lautstark ratschend, immer nur auf den Weg blickend. Da blieb ich dann entnervt stehen und brachte den Mut auf, den Vorüberziehenden zu sagen, sie würden einen solchen Lärm machen, dass ich sie lieber vorausließe. Wartete dann auch eine ganze Weile, bis der Krach irgendwann verebbte. Angesichts all dieser herrlichen Heiligkeit einfach ein Unding.

Nach der Puezhütte dann über Weg 16 und 14 ins Langental, wo es schöne Liegeplatzerl gibt abseits des Pfades, doch nach einer Viertelstunde Sonnenversuch kapitulierte ich vor den Ameisen, und hinaus nach Wolkenstein. Zurück in St. Ulrich kam ich gerade noch recht für einige Orgelklänge des probenden Organisten. Und konnte endlich in einem Laden an der Antoniuskirche bei Sara von De Cater, dem Grödner Viergesang, zwei CDs abholen.



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Über die Autorin Sabine Schmid

Sabine Schmid startete in der 3. Klasse mit ihrem ersten Gedicht, entwickelte nach der reimgebundenen Phase ihren eigenen, konzentriert-dichten Stil und betrachtet Lyrik, ja das geschriebene Wort allgemein, als ihr zentrales Instrument, um sich auszudrücken sowie als Kunstform, um Beobachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse zu verarbeiten/zu vermitteln und in Worte zu filtern.

Auch mit starkem lyrischem Talent und malerischer Sprachkreation kann es doch immer nur ein Versuch bleiben, Wahrnehmungen in ein äußerst begrenztes Buchstabenkorsett kleiden zu wollen. Das Wesentliche ist zumindest für die äußeren Augen unsichtbar, durch Sprache kaum festzuhalten. Doch mit etwas Glück kann es gelingen, seinen ‚Duft‘ und ‚Geschmack‘ einzufangen.

Mit den Jahren ergaben sich eine kurze Präsentation im Bayerischen Fernsehen, Veröffentlichungen von Lyrik und thematisch breitgefächerten Beiträgen/ Artikeln u.a. für Alpenverein, Fachschriften im Gesundheitsbereich, diverse Facebook-/Webseiten, Lesungen, regelmäßige Aufnahme in die Anthologien der Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte – als einer der Preisträger 2017 auch auf Hörbuch. Außerdem poetische Auftragsarbeiten, bewegende Reden zu besonderen Anlässen, außergewöhnlich lebendige und informative Reiseberichte.

Inzwischen ist sie als freie Autorin tätig und bietet mit ihrer „textdrexlerei“ in höchster Qualität das Lektorat/Korrektorat von Manuskripten, Diplomarbeiten, Werbemitteln, Marketing-/Presseaussendungen, Magazinen, Autorentexten und Webseiten an.


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