Venedig Reise: Abseits von Rialto und San Marco

[Gastbeitrag] Mein vergangener Venedig-Aufenthalt dauerte nicht wie sonst rund vier Stunden, sondern ganze vier Tage. Und nun kann ich wirklich sagen: Venedig ist schön. Sehr schön sogar. Denn abseits des ganzen Gewühls rund um San Marco und Rialto spürt man es ganz deutlich: Den Flair einer ganz besonderen Stadt, die es in dieser Bauweise kein zweites Mal gibt. Und da ich so begeistert bin von all den schönen Orten, die mein Mann und ich während unseres Venedig-Trips entdeckt haben, möchte ich unsere Erfahrung mit euch teilen und erzählen, welche Besonderheiten die einzelnen Stadtteile bieten, welche Orte für Ruhesuchende geeignet sind und, da wir am Lido gewohnt haben, alles rund um Parkplätze fürs Auto, öffentliche Verkehrsmittel und wie man Sightseeing und Baden im Meer gut verbinden kann.

Punta Sabbioni: Parken und Benutzen der Öffis

Venedig erreicht man im Norden der Stadt über die Verbindung mit dem Festland oder, so wie ich es vorziehe, über den Wasserweg im Süden. Angekommen in Punta Sabbioni wird man schon von Fähnchen schwingenden Parkwächtern erwartet, sollte aber seine Wahl gut überlegen. Denn obgleich die Parkareale dicht nebeneinander liegen, sind die Kosten für einen Dauerparkplatz unterschiedlich hoch. Ich empfehle dem Straßenverlauf bis vorne an den Pier zu folgen, dann links abzubiegen und die Parkfläche zu nehmen, die mit einer Thujenhecke umrahmt ist. In einer kleinen Holzhütte an der Einfahrt holt man sich den Parkschein, der 5 Euro pro Tag kostet. Meiner Meinung nach ist das ein guter Deal. Zu der Anlegestelle der Öffis sind es danach nur wenige Meter. Haltet Ausschau nach dem ACTV-Ticketschalter. Hier bekommt man Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Wasser. Auch alle Boote sind mit der Aufschrift ACTV gekennzeichnet. Ein Verwechseln mit einem privaten Anbieter ist somit nicht möglich. Das Benutzen der Linien ist simpel und gleicht dem U-Bahn-Netz vieler großen Städte – nur eben nicht unter der Erde, sondern auf dem Wasser. Ein Drei-Tages-Ticket kostet regulär 40 Euro. Vergünstigungen gibt es beispielsweise für Studenten. Gerechnet wird ab Entwertung. Wird ein Drei-Tages-Ticket beispielsweise am Freitag um 14 Uhr entwertet, ist es bis zum darauffolgenden Montag um 14 Uhr gültig. Gerade wenn man, so wie wir, am Lido wohnt, zahlt sich ein Mehrtagesticket allemal aus. Denn es beinhaltet den innerstädtischen Transfer ebenso wie die Verbindung mit Lido, Murano, Burano oder Punta Sabbioni.


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Ruhiges Wohnen am Lido

Sicher findet man auch direkt in Venedig ruhig gelegene Hotels, wenn man weiß, in welchen Gegenden man suchen muss. Wir wussten es nicht, weshalb wir auf Nummer sicher gegangen sind und uns für ein Hotel am Lido entschieden haben. Auf dieser schmalen und doch langgezogenen Insel kurz vor Venedig finden auch die berühmten Filmfestspiele statt. Neben ruhigem Wohnen in meist stilvollen Häusern bietet Lido noch einen weiteren Vorteil: einen Strand. Perfekt geeignet für die Kombination aus Sightseeing in Venedig und baden im Meer. Schon im Mai sind die Temperaturen für gewöhnlich so angenehm, dass zumindest Sonnenbaden am Strand eine entspannende Abwechslung zum Venedig-Alltag bietet. Der Strand ist gepflegt und sauber. Schirme und Liegen kann man gegen Gebühr benutzen.

Menschenleeres Venedig in Cannaregio

Die Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Lido nach Venedig sind gut; die Fahrt nach Venedig (San Marco) dauert nicht länger als 15 Minuten auf dem Wasser. Am ersten Tag unserer Reise führte uns unser Weg jedoch nicht auf den Markusplatz, sondern nach Cannaregio. Es ist der nördlichste Stadtteil Venedigs und eine ruhige Gegend mit vielen kleinen Restaurants und Bars. Hier treffen sich auch die Venezianer vor allem abends zum gemütlichen Beisammensein. Unsere Tour durch Cannaregio haben wir an der Vaporetto-Station Ferrovia, also am Bahnhof, begonnen und sind dann Richtung Canal de Cannaregio gewandert. Auf diesem Weg könnte man, wie in ganz Venedig, eine Kirche nach der anderen besichtigen, worauf wir jedoch verzichtet haben. Angesehen haben wir uns allerdings das einstige jüdische Ghetto. Hier entstand im 16. Jahrhundert ein Zwangswohnbezirk, in dem auf knappstem Raum Schulen, Synagogen und Wohnungen errichtet wurden. Die bedrückende Enge, in der die jüdische Bevölkerung damals verweilte, spürt man heute noch. Davon angeregt sind wir noch lange auf den Treppen, die zum Canal führen, gesessen und haben über Toleranz, Bildung und Weltoffenheit diskutiert.

Panoramagarantie in Dorsoduro

Wenn auch besser frequentiert als Cannaregio ist der Stadtteil Dorsoduro nicht überlaufen. Entweder man steigt an der Vaporetto-Station Accademia aus, oder man nimmt den kurzen Fußweg ausgehend vom Markusplatz in Kauf. Dorsoduro erstreckt sich südlich von San Marco und ist ein absolutes Venedig-Highlight. Gleich nach der Ponte Accademia flaniert man entlang des Canal Grande mit atemberaubender Aussicht auf den Piazza San Marco und den Dogenpalast. Auf den Stufen empor zur Kirche Santa Maria Della Salute haben wir Rast gemacht und lange dieses umwerfende Panorama genossen. Das gesamte Viertel ist sehr künstlerisch angehaucht. Mehrere Museen, eines davon mit einer Gemäldesammlung von Peggy Guggenheim, und zahlreiche Ateliers zieren das malerische Dorsoduro. Ein absoluter Geheimtipp ist die Kirche Chiesa San Vidal. Hier finden oft Klassik-Konzert statt, wofür man meist noch am Nachmittag vor der Vorstellung Karten ergattern kann. Wir haben uns spontan für Vivaldis Vier Jahreszeiten entschieden. Bei freier Platzwahl sind wir in der ersten Reihe gesessen und das bei einem Eintrittspreis von 30 Euro pro Person. Ein absolutes Schnäppchen und musikalischer Hochgenuss.

Auf Entdeckungsreise durch Castello

Den Stadtteil Castello haben wir uns ganz genau unter die Lupe genommen. Ich konnte gar nicht genug von den verwinkelten Gassen und dem echten venezianischen Leben einsaugen. Castello ist ein Wohnviertel mit annähernd „günstigen“ Mieten. Die Häuser hier sind bei weitem nicht so prächtig wie beispielsweise in San Marco. Aber gerade das macht den Reiz des einstigen Arbeiterviertels auch aus. Castello wird von den Venezianern gerade neu entdeckt. Wirklich gute Speiselokale und neue Bars haben sich in letzter Zeit hier angesiedelt. Wir haben in der Trattoria alla Rampa del Piave am Ende der Via Giuseppe Garibaldi gegessen – meine absolute Empfehlung.

Alles in allem kann ich sagen, Venedig ist weit mehr als die überfüllten Gassen rund um den Markusplatz und die Rialtobrücke. Venedig ist eine Stadt mit viel Charme, stillen Plätzchen und kurzen Wegen, die man zu Fuß wirklich gut erkunden kann. Ich freu mich auf alle Fälle schon auf den nächsten Besuch!

Geschrieben von Gastautorin Bettina Gruber



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