Jordanien, eine Reise in den Orient.

Jordanien, eine Reise in den Orient.

[Gastbeitrag] Jordanien hat viel zu bieten, sodass ich gar nicht weiß, wo ich mit meiner Bericht starten soll. Jeder Ort wäre eine eigene Reise wert, wenn man sich tiefer mit der Geschichte des Landes auseinandersetzen möchte. Neben der Felsenstadt Petra, die jeder kennt, gibt es noch unzählige Sehenswürdigkeiten, von denen ich euch hier erzählen möchte.

Eindrücke einer Jordanien Rundreise

NEWS: Sensationsfund in Jordanien

(Nachtrag: 18.11.2016)

In Beit Ras nahe der Stadt Irbid wurde eine antike Grabstätte entdeckt. Ein etwa 2.000 Jahre altes Höhlengrab wurde während Bauarbeiten gefunden. Wunderschöne Ölfresken die mythologische Szenerien zeigen und gut in Schuss sind erzählen von den Bestattungsriten längst vergangener Tage. In der zweiten Grabkammer befinden sich zwei Sarkophage. Der Fund wird gerade analysiert um eine genauere Datierung zu ermöglichen. Eine tolle Sache für Jordanien, denn nun werden vorort weitere Grabungen durchgeführt und die Grabstätte für touristische Besichtigungen vorbereitet. Geschichte hautnah!

Deckenfresko in Beit Ras @Jordan Tourism Board
Deckenfresko in Beit Ras @Jordan Tourism Board
Sarkopharg in Beit Ras @Jordan Tourism Board
Sarkopharg in Beit Ras @Jordan Tourism Board

 

Nördlich von Amman gelegen sind zwei Touristen-Hot-Spots Jordaniens zu finden, die weit in die Historie zurückreichen. Zum einen die antike Römerstadt Gerasa, das heutige Jerash und in der Nähe davon Ajloun mit der im 12. Jahrhundert erbauten Festung Ajloun.

Jerash Gerasa: Monumentale Sakralbauten

Durch flache bis hügelige Wüste geht es von Amman aus Richtung 40 km in den Norden. Dort wird es hügeliger bis fast bergig, sowie auch grüner. Das heutige Jerash liegt rund um das antike Gerasa, welche im 1. Jahrhundert nach Christus als ein Teil der Dekapolis einen raschen Aufstieg erfuhr. Vom Wohlstand der Stadt zeugen heute noch die steinernen Überreste des antiken Gerasa mit zahlreichen Monumental- und Sakralbauten, die trotz mehrerer verheerender Erdbeben noch immer zum Teil sehr gut erhalten sind.

Ajloun, der Verteidigungsposten des alten Jordaniens

Nordwestlich von Jerash liegt die kleine Stadt Ajloun. Hier findet sich die Festung Ajloun, die erhöht über der Stadt einen hervorragenden Aussichts- und Verteidigungsposten abgibt. Und genau dafür war sie auch gedacht, als ein integraler Bestandteil einer Kette von Festungen gegen das Kreuzfahrer-Reich Jerusalem und als Horchposten. 1260 wurde die Festung von den Mongolen erobert, die gerade halb Europa erobert hatten und 2 Jahre nachdem sie im nicht weit entfernten Bagdad, damalige Hauptstadt des arabischen Abbasiden-Reichs, das größte Massaker der Weltgeschichte anrichteten. Ein verheerendes Fanal von dem sich die Abbasiden und der Islam nie mehr erholten.

Wadi Rum: Kämpfe, Kamelen und „Stucked in the Desert!“

Ein weiteres Highlight unserer Jordanien Rundreise ist das weithin bekannte Wadi Rum. Das größte Wadi Jordaniens ist geprägt von bizarren roten Felsformation und dem ebenso roten Sand dort. Bekannt wurde das Wadi Rum insbesondere durch Lawrence von Arabien, der hier im 1. Weltkrieg eine Schlüsselrolle im Aufstand der Araber gegen die Osmanen spielte und besonders durch den bildgewaltigen Kinofilm „Lawrence von Arabien“, der den Mann endgültig zu einer weltweit bekannten Fabelfigur werden ließ und einen der Drehorte, das Wadi Rum, weltbekannt machte. Am Rande des Wadis fuhren wir mit einem historischen Zug in das Wadi hinein, wo wir Zeugen einer Schlacht wurden.

Danach ging es weiter in das Wadi hinein, bis zum Punkt wo es nur mehr mit Jeep oder Kamel weitergeht, da dort richtige Sandwüste ist. Kurz nach dem Wechsel auf den Jeep kam es ausgerechnet bei unserem Jeep auch zu einer legendären Panne: wir blieben im Sand stecken! Normalerweise würde hier in der Wüste wohl jetzt Panik ausbrechen, weit waren wir jedoch noch nicht gekommen, weshalb auch gleich mal ein Ersatzwagen da war. Trotzdem ein Klassiker. Nach dem Essen in einem Beduinenzelt war Kamelreiten in der Wüste angesagt. Schon etwas ausgewöhnliches, die Weite, die Abgeschiedenheit und die Stille der Wüste auf dem Rücken eines Kamels zu verarbeiten. Wunderbare Eindrücke!

Totes Meer: Tiefer geht’s nicht mehr.

Da der Trip zum Wadi Mujeeb leider ausgefallen war, lagerten wir einen Tag lang im Crown Plaza direkt am Toten Meer. Soll einem nichts schlechteres passieren.

Das tote Meer ist in Wahrheit ein See. Nichtsdestotrotz tot. Sehr tot sogar. Falls es da Steigerungsformen gibt.

Der Salzgehalt von bis zu 33 % verhindert das Leben mit wenigen Ausnahmen, die auch an so extremen Ort noch überleben können, wie einige Mikroorganismen. Wasserableitungen lassen den Wasserspiegel immer weiter sinken, ohnehin ist es jetzt schon der tiefste Punkt der Erde mit 430 Meter unter dem Meeresspiegel. Beeindruckend tief.

Über dem toten Meer liegt meist eine Dunstglocke, die niedrige Seehöhe verhindert angeblich Sonnenbrand aufgrund der geringeren UV-Einstrahlung und der dauernden Dunstglocke. Naja, einschmieren schadet trotzdem nicht, zumal es von schon heiß im restlichen Jordanien auf jetzt sehr heiß geschaltet hat. Um die 40 Grad dürften es gewesen sein. Zumindest dann mit dem toten Meer als Abkühlung, aber denkste, die Wassertemperatur dürfte wohl jenseits der 30 Grad gelegen haben. Von Abkühlung also keine Spur. Als ich letztes Mal am toten Meer war, auf israelischer Seite, war das im Februar und wesentlich kühler. Aber im Sommer kein Wunder.

Trotzdem ist es natürlich wieder sehr spannend auch wegen der üblichen Späße wie Zeitunglesen im Wasser. An schwimmen oder gar tauchen ist nicht zu denken, das lässt der große Auftrieb nicht zu. Trotzdem sollte man Acht geben. Immer wieder verlieren manche die Balance und schlucken größere Mengen des Salzwassers, was nicht gerade gesund ist. Daneben kann man sich mit schwarzem Schlamm einschmieren, der neben dem Wasser selbst, sehr gesund sein soll. Ein wenig Abkühlung gibt es dann am Pool, ein Hochgenuss bei der Hitze.

Ich war in Bethanien, dort wo Jesus getauft wurde

Am Tag darauf führt uns unsere Jordanien Rundreise zum nicht weit entfernten Bethanien, der angeblichen Taufstelle von Jesus am Jordan. Nun ist das direktes Grenzgebiet, auf der einen Seite das von Israel besetzte Westjordanland und auf der anderen Seite Jordanien. An dieser Stelle mäandriert der Fluss stark, auch gibt es Seitenarme, die eine genaue Bestimmung der angeblichen Taufstelle naturgemäß sehr schwierig macht.

Wie dem auch sei, beide Länder behaupten, die Taufstelle sei auf ihrer Seite. Warum auch nicht. Genau wissen wir es nicht und den Touristen ist es meist egal. Die mehrheitlich religiös motivierten Touristen geraten über die Vorstellung der Taufe so oder so in regelrechte Verzückung. Besonders gut auf israelischer Seite zu beobachten wo man gleich einen Schrein zur Verehrung errichtet hat in dem man mit voller Hingabe der Entrückung frönen kann. Wems gefällt… interessant ist es allemal.

Abstecher Mount Nebu / Madaba

Auf der Fahrt zum toten Meer machen wir Stopp in Madaba zum essen. Sehr empfehlenswert ist das Restaurant, wo wir alle wieder mal Leimun Benena bestellen. Ein herrlich erfrischendes Getränk.

Zu besichtigen gab es die St.-Georgs-Kirche, die angeblich eine Reliquie von Johannes dem Täufer beherbergt, sowie ein Mosaik aus dem 6. Jahrhundert nach Christus. Das Madaba-Mosaik ist die älteste erhaltene kartografische Darstellung des heiligen Landes inklusive einer detaillierten Darstellung Jerusalems. Weiters ist das Mosaik von herausragender Bedeutung, da es das erste kartographische Mosaik der Geschichte ist, das für die Auswertung geographischer Angaben in der Bibel von Bedeutung war.

Weiter geht es Richtung totes Meer zum Mount Nebo, von wo aus man einen tollen Blick auf das Jordantal, das tote Meer und Israel hat. Hier soll der Legende zufolge Moses erstmal das „gelobte“ Land gesehen haben. Dort soll er der Bibel zufolge auch verstorben sein. Seit dem Jahre 393 steht an dieser Stelle eine Kirche.

Ma‘In – ein heißes Bad in der Oase.

Östlich des toten Meers gelegen, inmitten der unwirtlichen Wüstenlandschaft, liegt eingebettet in die steile Felswände links und rechts des engen Tals eine Oase, genannt Ma’in. Viele suchen gerne die hyperthermalen Wasserfälle auf, um das mineralhaltige Wasser zu genießen, welches gut für die Gesundheit ist. Mitten in der Oase steht das Hotel Evason Ma’In Hot Springs & Six Senses Spa, in dem wir eine Nacht verbrachten.

Highlight dort sind die Hammamat Ma’in, die heißen Quellen von Ma’in, ein ganz besonderes Erlebnis an einem ganz besonderen Ort. Gerade bei so heißem Wetter wie wir es im September hatten, sind die heißen Quellen eine Herausforderung. Anders als gedacht war es jedoch sehr angenehm, denn heiß sind sie immer, gleich wie gerade die Umgebungstemperatur ist. Bonus: nach der Dusche unter den heißen Quellen kommen einem 35 Grad Hitze wieder kühl vor. Gerade noch sichtbar am Ende der Schlucht das tote Meer in einiger Entfernung. In vergangen Zeiten rann noch mehr Wasser die Felswände herab, wie man am Fels sehen kann, was dem ganzen einen noch bombastischeren Eindruck verliehen haben muss. Es müssen geradezu riesige Vorhänge aus heißem Wasser gewesen sein.

Amman, die Haupstadt von Jordanien

Ihren Namen hat die Stadt von dem antiken Volk der Ammoniter, deren Reich sie „Ammon“ nannten. Noch früher, zur Römerzeit, nannte sich die Stadt Philadelphia. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt unter den Römern, von denen auch heute noch die Überreste der Zitadelle auf dem Zitadellenhügel, sowie das riesige, sehr gut erhaltene römische Theater zeugen. Ab 635 kam die Stadt unter Oberhoheit der verschiedenen arabischen Reiche.

Es folgte ein langer Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, selbst noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Amman ein kleines Dorf mit gerade einmal 2000 Einwohnern. Erst nach der Nakba (deutsch: „Katastrophe“) 1948, wie die Araber die Vertreibung aus Palästina nennen, kam es zu einem rasanten Aufschwung der Stadt. Heute hat die Stadt mehr als 4 Millionen Einwohner, es wohnen damit mehr als die Hälfte der knapp 7 Millionen Jordanier in Amman.

Das Stadtbild unterscheidet sich nicht von dem vieler anderer Städte der Welt mit modernen Bauten. Dazwischen findet man immer wieder Reminiszenzen an vergangene Zeiten in Form von Zelten oder kleinen Ziegenherden, sonst ist es modern mit viel Beton. Und die Stadt wächst unaufhörlich weiter. In der Nähe des römischen Theaters findet sich auch das Zentrum mit einem Obst-und Gemüse-Suq, sowie viele Geschäfte für typisch arabische Waren, wie auch jede Menge anderen Tand von Menschenhand. Wieder unweit davon eine berühmte Stiege in der man nicht nass wird, auch wenn das hier generell eher unwahrscheinlich ist.

Viktoria von Globeastronaut hat ein schönes Video unserer Jordanien Rundreise gemacht, das ich euch nicht vorenthalten möchte.

Vielen Dank für die Einladung vom Jordan Tourism Board in das faszinierende Jordanien.

Jordanien, ein Land mit vielen Geheimnissen. Visit Jordan – du wirst es nicht bereuen.

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